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Dain II    König unter dem Berge  

In den Zeitaltern der Dunkelheit, als Melkor und seine bösen Diener in Utumno und Angband herrschten, schuf Aule der Schmied in deiner grossen Halle tief unter den Bergen von Mittelerde die Sieben Väter der Zwerge. Er gab ihnen kräftige, untersetzte Körpern, denen weder Kälte noch Feuer etwas anhaben konnten und die gegeüber den Unbilden der Natur widerstandsfähiger waren als alle späteren Rassen. Da Aule wusste, wie mächtig Melkor war, gab er ihnen überdies einen stolzen und unabhängigen Geist und Willen, der durch nichts gebrochen werden konnte.

Die Zwerge waren Bergleute, Maurer, Metallschmiede und hervorragende Steinmetze. Sie waren stark, langbärtig und zäh, aber mit einer Körpergrösse  zwischen vier und fünf Fuss ziemlich klein. Da sie schwer arbeiten mussten, schenkte ihnen Aule eine Lebensspanne von etwas zweihunderundfünfzig Jahren. Sie waren also sterblich und konnten in der Schlacht getötet werden. Aule lehrte sie die Fertigkeiten des Handwerks und eine eigene Sprache, die Khazdul genannt wurde. In dieser Sprache hiess Aule Mahal, und die Zwerge hiessenKhazced, aber es war eine Geheimsprache, die bis auf wenige Wörter nur die Zwerge kannten. Sie waren Aule stets dankbar, da sie wussten, dass er ihnen Gestalt gegeben hatte. Dochihr wahres Leben verdanken sie Illúvatar.

Es heisst, dass Aule die Zwerge, nachdem er sie geschaffen hatte, vor den anderen Valar versteckte und glaubte, sie auch vor Illúvatar verborgen zu haben. Illúvatar freilich wusste von Aules Tat; aber da er erkannte, dass sie ohne Bosheit geschehen war, rechtfertigte er sie im nachhinein. Er wollte jedoch nicht gestatten, dass das Zwergenvolk vor seinen auserwählten Kindern, den Elben, die er zu den Erstgeborenen bestimmt hatte, auf der Welt erschien. So legte Aule die Zwerge tief unter einen Stein, wo die Sieben Väter viele Zeitalter hindurch schliefen, bis die Sterne entzündet wurden und die Zeit des Erwachens nahte.

Die Elben erwachten im Ersten Zeitalter der Sterne in Cuiviénen im Osten von Mittelerde. In den darauffolgenden Jahren regten sich die Zwerge, ihre Steinkammer brach auf, und sie erhoben sich, vor Erfurcht erfüllt.

Es heisst, dass jeder der Sieben Väter sich eine grosse Wohnung unter dem Bergen baute, aber in den Elbengeschichten über diese Zeit ist nur von drei Wohnungen oder Festungen die Rede. Es waren dies Belegost und Nogrod in den Blauen Bergen und Khazad-dûm im Nebelgebirge. Die Geschichte Khazad-dûms ist die längste, denn es war das Haus des ersten Zwergenvaters, der Durin I und Durin der Unsterbliche genannt wurde.

Für die Elben von Beleriand war die Ankunft der Zwerge ein Segen. Denn sie kamen mi stählernen Waffen und Werkzeugen in das Reich der Grau-Elben und offenbarten eine erstaunliche Geschicklichkeit in der Bearbeitung von Stein. Am Anfang hielten die Elben die Zwerge für hässlich und nannten sie die Naugrim, “Die Kurzgewachsenen”, aber bald erkannten sie, wie gewandt sie in den handwerklichen Fähigkeiten waren, die Aule sie gelehrt hatte, und nannten sie auch die Gonnhirrim, die “Meister des Steins”. Zwischen Elben und Zwergen entwickelte sichein reger Handel, von dem beide Völker profitierten.

In den Zeitaltern der Sterne schufen die Zwerge der Blauen Berge metallgegenstände, wie die Welt sie nie zuvor gesehen hatte. In Belegost (das wurde auch Gabilgathol und Mickelburg genannt) wurden die berühmten Kettenhemden gefertigt, während in Nogrod (das auch Tumunzahar und Hohlburg genannt wurde) Telchar, der grösste Zwergenschmied aller Zeiten, wohnte. Damals schmiedeten die Zwerge die Waffen der Sindar und bauten für König Thingol die Festung Menegroth, die Tausend Grotten, die als schönste Stadt auf Mittelerde galt.

Im Ersten Zeitalter der Sonne kämpften die meisten Zwerge auf der Seite der Elben im Juwelenkrieg gegen die Diener Morgoths. Dabei zeichnete sich besonders König Azaghcel, der Herr von Belegost, aus. In der Schlacht der Ungezählten Tränen konnten nur die Zwerge dem Feuer der Drachen widerstehen, denn als Schmiede waren sie an grosse Hitze gewöhnt und an ihren Helmen trugen sie Stahlmasken, die ihre Gesichter vor den Flammen schützten.

Doch nicht alle Taten der Zwerge in jender Zeit waren lobenswert. So wird berichet, dass die Zwerge von Nogrod die Silmaril begehrten. Deswegen töteten sie König Thingol und legten Menegroth in Schutt und Asche.

Die Geschichten, die seit Ende des Ersten Zeitalters der Sonne überliefert sind, erzählen vorwiegend von den Zwergen aus Durins Geschlecht, die in Khazad-dûm lebten. Als nach dem Krieg des Zorns Beleriand unterging, wurden auch Nogrod und Belegost zerstört. Die Zwerge dieser beiden Reiche zogen im Zweiten Zeitalter in das Nebelgebirge und machten Khazad-dûm noch mächtiger, als es schon war. Im gleichen Zeitalter verliessen viele der Noldor-Elben Lindon und kamen nach Eregion, um sich unweit des Westtores von Khazad-dûm niederzulassen und Handel mit den Zwergen zu treiben, denn in den dortigen Bergen war das Edelmetall Mithril gefunden worden. Diese Elben waren die Gwaith-i-Mírdain, die später als die Elbenschmiede in die Geschichte eingingen. Hier wurden die Ringe der Macht geschmiedet. Und obgleich die Zwerge sieben dieser Ringe erhielten, wurden sie nicht in die schrecklichen Kriege miteinbezogen, die bis zum Ende des Zweiten Zeitalters auf Mittelerde wüteten. Sie schlossen die Pforten von Khazad-dûm vor den Kämpfen der Welt, und niemand konnte mehr ihr Reich betreten, das jetzt in Moria umbenannt wurde.

So überschritten die Zwerge aus Durins Geschlecht die Schwelle zum Dritten Zeitalter der Sonne. Noch im 20 Jahrhundert dieses Zeitalters war Moria reich und mächtig, doch im Jahre 1980, als Durin VI König war, dranen die Zwerge mit ihren Minen zu tief in den Berg ein und befreiten ein Ungeheuer, das dort eingesperrt gewesen war. Es war dies einer der Balrogs Morgoths, und er erhob sich im Zorn und erschlug den König und seinen Sohn Náin. Danach verliessen die Zwerge Moria für immer.

Durins Volk war heimatlos geworden, aber im Jahre 1999 gründete Náins Sohn Thráin das Königreich unter dem Berge Erebor. Noch einmal gelangten die Zwerge zu macht und Wohlstand, denn Erebor, der Einsame Berg, war reich an Erzen und Edelsteinen. Dann verlies Thráins Sohn Thorin den Ort und zog im Jahre 2210 in das Graue Gebrige, wo bereits ein Teil der ehemals in Moria ansässigen Zwerge lebte. Thorin wurde von ihnen als König angenommen. Nach ihm herrschte sein Sohn Gróin, dann Oin und schliesslich Náin II, und das Graue Gebirge wurde berühmt wegen des hier gefundenen  und bearbeiteten Zwergengolds. Angezogen von diesen Schätzen, verliessen zur Zeit der Herrschaft Dáins, des Sohnes Náins II, viele Kaltdrachen die Nördliche Öde, töteten zahlreiche Zwerge und vertrieben sie aus dem Grauen Gebirge.

Im Jahre 2590 führte Thrór, der Erbe Dáins I, die Überlebenden wieder in das Königreich unter dem Berg in Erebor, während im gleichen Jahr sein Bruder Grór die Zwerge um sich sammelte, die in den Eisenhügeln geblieben waren. Und abermals gelangte das Zwergenvolk zu Macht und Wohlstand, denn es blühte lebhafter Handel zwischen den Zwergen, den Menschen von Thal und Esgaroth und den Elben des Düsterwalds.

Doch diese friedliche Zeit hielt nicht lange an. Im Jahre 2770, während der Regierunszeit Thrórs, kam der mächtigste Drache des Dritten Zeitalters, der geflügelte Feuerdrache Smaug der Goldene nach Erebor. Niemand vermochte ihm zu widerstehen. Er tötete wahllos, legte Thal in Schutt und Asche und vertrieb die Zwerge aus ihrem Reich. Zwei Jahrhunderte hindurch blieb Smaug Herr des Einsamen Berges.

Wieder waren die Zwerge heimatlos geworden. Einige zogen sich in die Eisernen Hügel zurück, andere folgten König Thrór, seinem Sohn Thráin II und dann seinem Enkel Thorin II auf eine unstete Wanderschaft.

Zu dieser Zeit wurde Thrór von den Orks von Moria erschlagen. Sie verstümmelten seine Körper und schickten seinem Volk den abgetrennten Kopf. Alle Häuser der Zwerge vereinigten sich, um einen blutigen Krieg gegen die Orks zu führen, der sieben lange Jahre dauerte. Überall in den Westlichen Landen jagten die Heere der Zwerge Orks aus ihren Höhlen und erschlugen sie, bis sie schliesslich im Jahre 2799 das Osttor von Moria erreichten. Hier wurde die Schlacht von Azanulbizar geschlagen, bei der alle Orks des Nordens vernichtet wurden. Doch die Zwerge konnten sich ihres Sieges nicht erfreuen, denn die Hälfte ihrer Krieger fand ebenfalls den Tod.

So kehrten die Zwerge mit Trauer im Herzen in ihre Reiche zurück. Grórs  Enkel Dáin Eisenfuss nahm die Herrschaft in den Eisernen Hügeln wieder auf, während Thráin II mit seinem Sohn Thorin II (der jetzt Eichenschild genannt wurde) nach Westen in die Blauen Berge zog und dort ein bescheidenes Reich errichtete.

Doch Thráin II herrschte nicht lange, denn auf einer Reise wurde er in der Nähe des Düsterwaldes von Sauron gefangengenommen, in Dol Guldur eingekerkert und zu Tode gefoltert. So gelangte der letzte Ring der Macht, der Thráin von seinen Vorfahren überkommen war, in den Besitz Saurons.

Im Jahre 2941 heckten Thorin Eichenshild und der Zauberer Gandalf einen abenteuerlichen Plan aus, von dem der Hobbit Bilbo Beutlin in seinem “Roten Buch der Westmark” berichet. Zusammen mit zwölf Zwergen begleitete Bilbo Thorin auf eine Fahrt, durch die dieser sein verlorenes Königreich wiederzugewinnen suchte. Die zwölf Zwerge waren Fíli, Kíli, Dori, Ori, Nori, Oin, Glóin, Balin, Dwalin, Bifur, Bour und Bombur.

Wie in der Geschischte des Hobbits erzählt wird, beendete Thorin sein Unternehmen erfolgreich. Der Drache Smaug wurde erschlagen, und Thorin II ergriff, wenn auch nur für kurze Zeit, Besitz von dem Reich, das ihm rechtmässig zustand. Bald darauf fand die Schlacht der  Fünf Heere statt, bei der Orks & Wölfe, Zwerge, Elben, Menschen und Adler kämpften. Zwar wurden die Orks mit ihren Verbündeten geschlagen, doch auch Thorin fand den Tod.

Damit endet nicht nur Durins Geschlecht, denn Dáin Eisenfuss, der mit fünfhundert Kriegern von den Eisernen Hügeln gekommen war und an der Schlacht der Fünf Heere teilgenommen hatte, war als Urenkel Dáins I Thorins Erbe. Als Dáin II herrschte er weise über sein Volk, bis er im Ringkrieg mit König Brand von thal vor den Toren des Königreiches unter dem Berg fiel.

Doch das Zwergenreich widerstand den Angriffen der Diener Saurons, und Dáins Nachfolger, Thorin III, regierte bis weit ins Vierte Zeitalter hinein.

Das Königreich unter dem Berg war nicht das einzige, das Durins Volk Heimat bot. Ein anderer Zwergenfürst, ein Nachkomme Borins, des Bruders Dáins I, hatte zu Beginn des Vierten Zeitalters nch dem Ringkrieg ein Reich gegründet. Es war dies Gimli, der Sohn Glóins, einer der Gefährten im  Bund des Ringes. Nach Ende des Krieges war er mit zahlreichen Zwergen in die “Glitzernde Höhlen” von Helms Klamm gezogen und ging als Herr von Aglarond in die Geschichte ein.

Mehr als ein Jahrhundert herrschte Gimli der Elbenfreund über Aglarond, aber nach dem Tode Elessars überliess er anderen die Herrschaft und zog in das Reich seines Freundes Legolas, des Elbenkönigs von Ithilien. Hier bestieg er, wie berichtet wird, mit seinem Ringgefährten ein Elbenschiff und segelte über das Grosse Meer in die Unsterblichen Lande.